Penelopeia

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Penelopeia
© micaela dicu

Penelopeia“ ist ein neues Kompositions-Projekt von Mela Meierhans, in Zusammenarbeit mit der Regisseurin Lotte Greschik. Die Idee basiert auf „The Penelopiad“ (deutsch: „Die Penelopiade“), einer Erzählung der kanadischen Schriftstellerin Margaret Atwood: sie schildert die Odyssee aus der Sicht der wartenden Penelope.

UA im September 2016

 

Wir begegnen Penelope auf der Bühne allein. Nach ihrem Tod befindet sie sich – wie bei Margaret Atwood beschrieben – im Hades. Ihr Leben zieht an ihr vorüber: Kindheit, Hochzeit mit Odysseus, die Zeit des Trojanischen Krieges, die tiefe Veränderungen ihres Lebens mit sich brachte. Denn Odysseus zog auf den Weltmeeren herum und ihr fielen seine „königlichen“ Aufgaben zu: Herrschen, Organisieren, das Land und die Krone verteidigen. Und nicht nur das: Sie war auch verantwortlich für Wohl und Wehe ihrer Mägde, und konnte doch nicht verhindern, dass sie schließlich im Auftrag von Odysseus durch ihren gemeinsamen Sohn Telemachos ermordet wurden.

Penelopes Geschichte ist ein – drastisches – Beispiel für all die Frauen, die sich als „Strippenzieherinnen“ (Eurykleia, Odysseus Amme), als „Wegseherinnen“ (Penelope) und als Opfer (Mägde) in der griechischen Mythologie auszeichnen.

Ihr stream of consciousness wird immer wieder unterbrochen durch die Stimmen der Mägde, einem gesichtslosen, namenlosen Chor, den Penelope durch eine Klangschaukel wachruft. Dieser Chor ist unsichtbar, klingt herauf aus dem untersten Teil des Hades. Der Chor artikuliert – wie im Theater der griechischen Antike üblich – eine Vielfalt von Kommentaren und hilft damit dem Publikum, Penelopes Geschichte zu folgen.

 

Der kompositorischen Herangehensweise kommt Determination (für die Konzeption des Chores) und Freiheit (Solo) zugleich zu – die Partie der Penelope (Mezzosopran) wird hier sehr bewusst an kompositorische und stimmliche Grenzen geführt. Das Werk thematisiert so auch den Interpretationsbegriff auf verschiedenen Ebenen: Es hinterfragt Text und Überlieferung und wählt eine andere Lesart bzw. Herangehensweise als gemeinhin üblich. Es hinterfragt auch die Hierarchie zwischen Komposition und Interpretation und deren gegenseitiger Abhängigkeit. Hierzu gehört auch die Frage nach dem Verhältnis von Notentext und Ausführung. Welche interpretatorischen Freiheiten und Annäherungen sind nötig und wichtig?

 

P1 skizze (2)

erster Entwurf der Partitur

Fähigkeiten

Gepostet am

24. Juli 2016

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